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Aus der Chronik eines Familienbetriebes

Gasthaus "Zur Krone" - Ältestes Gasthaus in Ronneburg

Die Krone im Jahr 1902

Wie hat wohl das kulturelle Leben in Hüttengesäß vor 200 Jahren ausgesehen? Mit Sicherheit waren die Leute tagsüber mit ihrer Arbeit auf den Bauernhöfen und in den Handwerksbetrieben beschäftigt und bis zum Abend hin müde und erschöpft. Die Menschen lebten für ihre Arbeit, und um die Familie zu ernähren. Dorfgemeinschaft und Zusammenhalt waren noch weitaus intensiver als heute. Die Menschen waren bescheiden und genügsam. Das landwirtschaftliche Einerlei bestimmte den Tagesablauf – Vieh füttern, melken, Feldarbeit. Im Frühjahr säen, zwischendurch mähen, Kartoffeln stecken, Kiel hacken, Weizen und Roggen mähen. Die Frucht wurde dann in den Höfen mit der Dreschmaschine gedroschen, im Winter wurde geschlachtet, Brot wurde im Backhaus gebacken, Gemüse und Obst brachte meist der eigene kleine Garten. Handwerksbetriebe wie Schmied, Wagner, Metzger, Schuster, Zimmermann, Maurer, Weissbinder, etc… wurden im Nebenerwerb betrieben. Die Menschen hatten keine großen Ansprüche, Fernseher und Radios gab es noch nicht, man saß in der guten Stube und beschäftigte sich mit Karten spielen, singen, oder mit Gesprächen vom Alltag und erzählte sich Geschichten von früher.

Doch wenn es ums Feiern ging, waren die Menschen wohl damals schon mit großer Begeisterung gerne dabei. Man feierte Ende August die Dorfkerb, Vereinsfeierlichkeiten wurden getätigt, Geburtstage und Hochzeiten waren gern besuchte Familienfeste.
Auch schon damals gab es einige Gasthäuser in Hüttengesäß. Die Krone wurde etwa um 1780 von Konrad Zinkhan in dem Bauernhaus in der Langstraße 7 (damals noch Stracke Gasse) gegründet. In einem Reisebericht, der auf der Ronneburg nachzulesen ist, schreibt ein Reisender um 1800, er war in der Herberge in dem kleinen Dorfe Hüttengesäß sehr wohl untergebracht. Zu seiner Zeit war der Betrieb wohl nicht mehr als ein kleiner Bauernhof am Ortsrand. In der guten Stube des Hauses im Erdgeschoß wurden Bier, selbstgekelterter Apfelwein, und hausgebrannter Branntwein ausgeschenkt.Wie konnte man sich diese Gaststube vorstellen ? Es war ein kleiner Raum mit etwa 30 qm, die seitlichen Fenster ließen nur sehr wenig Licht in den Raum einfallen. Der Fußboden war mit Holzdielen ausgelegt. In der einen Ecke stand ein Ofen, in der anderen war die Schankstelle. Zur Gründungszeit gab es noch keine Zapfanlage, die es ermöglichte, mit Kohlensäure Bier zu zapfen. Die Eichenfässer mit Bier und Apfelwein lagerten in einem tiefen Naturkeller, der die Getränke immer kühl hielt. Dieser alte Keller ist heute noch vorhanden. In diesem Keller wurden die Getränke in Bembel gezapft und in der Gaststube in Krügen und Gläsern ausgeschenkt. Die Küche war neben der Gaststube, darin der Brunnen – offen und nur mit drei Bohlen abgedeckt, Wasser wurde mit Eimern geschöpft – ein alter Ofen stand am Fenster, welches nur wenig Licht in die kleine Küche brachte. Neben der Küche war das Doktorstübchen, hier hatte ein Arzt aus Ravolzhausen einmal in der Woche so eine Art Sprechstunde. Ein dunkler Gang führte nach draußen, in den Hinterhof. Hier stand man direkt neben dem Kuhstall, blickte auf zwei Scheunen, die von einem urigen Lindenbaum überragt wurden. Links waren die Toiletten – Plumsklo – Idylle von anno dazumal. Zwischen den Scheunen hindurch, vorbei an dem Misthaufen, gelang man zur heutigen Marienstraße, damals nur ein rauher Feldweg. Leiterwagen standen im Hof, Milchgeschirr, Gänse und Hühner scharrten in den Spalten des Pflasters nach Körnern. Die Wirtsleute betrieben die Wirtschaft so nebenbei, Haupterwerb war natürlich die Landwirtschaft. Im Hof war über die Brunnenleitung ein Wasseranschluss, der den Turnern oder den Fußballern beim Erfrischen kaltes Wasser spendete. Die Turner des Arbeiter-Turnvereines waren zum Turnen in unserem Saal untergebracht, die Fußballer nutzten einen Raum im Obergeschoss zum Umziehen, das Training der Fußballer wurde auf einem ehemaligen Acker des Gastwirtes abgehalten, dort ist heute das Vereinsheim des Sportvereines.

Irgendwann Mitte des letzten Jahrhunderts kamen aus dem Namenszug Zinkhan keine Nachkommen mehr hervor, so übernahm
der Schwager des Wirts, Herr Johann Heinrich Reidel, das Gasthaus. Er war Gastronom, Metzger, Landwirt und Leiter des Gesangvereins, alles mit Leib und Seele. 1897 ließ er den Saaltrakt mit Fachwerkgiebel anbauen, der Saal wurde damals schon mit hochwertigen
Tanzdielen ausgelegt. Die Gaststube und auch der darüberliegende kleine Saal waren für die Veranstaltungen zu klein geworden. Im neuen Saal waren die Turner untergebracht, der Gesangverein konnte Singstunden ausrichten , die damalige Dorfkerb wurde ebenfalls noch in
den Gaststätten veranstaltet. Man organisierte aus diesem Anlaß sogar 1892 einen Champagnerball! Etwa zur gleichen Zeit ließ Reidel im heutigen Bereich der Marienstraße eine hölzerne Kegelbahn bauen.

Dieser moderne Sport aus England breitete sich schnell in ganz Deutschland aus, und so manch älterer Hüttengesäßer erinnert sich heute noch daran, wie er damals als kleiner Bub für ein paar Groschen am Abend die Kegel wieder aufstellen durfte. 1897 wurde auch der Bahnhof in
Hüttengesäß in Betrieb genommen, eine Nichte des Wirtes und zwei andere Kinder durften mit einer Schere das Band vor der Lokomotive durchschneiden, die Bahnstrecke Hanau-Hüttengesäß brachte auch Sonntagsausflügler aufs Land, die dann spazieren gingen, die Ruhe genossen, oder auch zur Burg wanderten. Das brachte auch der Gastronomie leichten Aufschwung.

Die Krone im Jahr 1904

1904 wurde in unserem Hause der erste elektrische Strom vom Dorf installiert, und es wurde zur Veranschaulichung im Gastraum eine Lampe installiert. Verwundert haben die Bürger erzählt „de Zinkhan´s Heinrich dreht oo em Knopp – do gieht des Licht oo – un wann er wirrer dreht, giehts aus“ Das Ganze scheint so interessant gewesen zu sein, dass die Leute nur wegen den Lampen ins Gasthaus gingen, und am Schalter gedreht haben. Übrigens hat der Gemeinderat noch ein Jahr vorher die Installation von Elektrizität als Teufelszeug und modernen Humbug benannt und somit im Gemeinderat abgelehnt. Naja, so ändern sich die Zeiten.

Der Wirt bezog sein Bier bis 1896 von der Langenselbolder Brauerei Adler, von 1896 bis 1910 von der Rheinischen Bierbrauerei in Mainz, danach kam es von der Hanauer Brauerei Nicolay. Später wurde die Brauerei Nicolay von Binding übernommen.

Kleiner Saal in der Krone

Der kaufmännisch tüchtige Wirt, der bereits um 1900 verschiedene farbige Ansichtskarten für seine Kunden anbot, und der seine eigenen bedruckten Briefbögen und Briefumschläge hatte, richtete auch für Gäste eine Art Fahrbereitschaft ein, die die Leute ohne Fahrgelegenheit zum gewünschten Ort beförderte. In einem alten Kassenbuch finden wir unter dem Bestandskonto Fahrten: „1906 Frau Münz nach Selbold gefahren, 3,50 Mark“ ,oder „Pfarrer nach Selbold gefahren. Ebenfalls 3, 50 Mark“.

Die politische Obrigkeit brachte dem Wirt 1906 auch einigen Ärger ein, der sein Lokal als „sozialdemokratisch“ ansah. Er verwehrte den kaiserlichen Soldaten Zutritt zum Lokal. Er wurde zu einer Geldstrafe von 400 Mark verurteilt. Um diese Strafe zu bezahlen, mußte er zwei Rinder verkaufen. Weiterhin aber machte er keine großen Streiche.

Nach dem ersten Weltkrieg übernahm sein Schwiegersohn Georg Erdt (Erdte Schorsch) das Lokal. Er stammte aus einem Bauernhof in der
mittleren Langstraße. Seine Frau Elisabeth (Zinkhan´s Bette) brachte ihm fünf Söhne und eine Tochter zur Welt – Georg, Fritz, Heinrich, Frieda, Kurt und Georg wurde Landwirt in Rüdigheim, Fritz wurde Ingeneur und siedelte in die Schweiz um, Heinrich wurde Landwirt in Erdt´s Anwesen Schulstraße. Tochter Frieda starb als kleine Mädchen an Hirnhautentzündung. Kurt kam aus dem Krieg nicht mehr zurück. Sohn Otto lernte in Hanau bei der Fleischerei Nicolaus das Metzgerhandwerk und eröffnete seinen Fleischerladen 1951.

Krone als Kino

Er und seine Frau Dorothea, geb. Meinhardt führten das Lokal mit dazugehörigem Kinobetrieb und der Metzgerei. Das Kino war im Saal im ersten Stock untergebracht, der Vorführraum war hinter der Theke eingerichtet. Im Winter, wenn es äußerst kalt war, mussten die Kinobesucher sich ein Stück Brennholz mitbringen, so wurde es bei 20 bis 30 Besuchern immerhin doch noch ein bisschen warm. Die Naivität der Ronneburger Omas war natürlich äußerst peinlich, so erzählt man heute noch, wie sich eine Oma gewundert habe, wie die wohl beim „Erdt“ die Kühe in den Kinosaal gebracht hätten – die Dame schaute sich einen Heimatfilm an.

Die Landwirtschaft wurde später unrentabel und wurde in den 60er Jahren eingestellt. Die beiden Söhne, Otto und Kurt wurden Metzgermeister und engagierten sich im Betrieb. Otto Erdt, jun. stieg mit seiner Frau Ria, die er als Souvenir aus Hutten (Schlüchtern) mitbrachte, ins Geschäft ein. Schwerpunkt wurde auf Tanzveranstaltungen mit Live- Bands gesetzt. Im ganzen Kreis war der Tanzsaal beim Erdt bekannt als Beat-Schuppen mit guten Live-Bands aus dem Gelnhäuser Raum. Die beginnende Discowelle zu Beginn der siebziger Jahre war dann das Aus für Live-Musik, so hörten auch wir rechtzeitig auf und konzentrierten uns mehr auf die Fleischerei und das Gasthaus. Im Jahre 1967 wurde wieder groß angebaut, ein Saal im Erdgeschoss entstand, darunter zwei moderne Asphalt-Kegelbahnen, oben wurde für die Schützen aus Hüttengesäß ein Schießraum eingerichtet. Ein Zeitungsbericht berichtete 1968 – in Hüttengesäß lebt der Sport wieder auf. Die Tochter Elke lernte in einem rennomierten Betrieb in Bad Orb den Beruf der Köchein, Tochter Monika lernte Fleischereiverkäuferin, schulte jedoch später um zur Bürokauffrau. Sohn Reiner lernte zunächst das Fleischerhandwerk, und schloss eine Kochlehre an.

Der Apfelwein wurde bis 1980 selbst gekeltert. Ich erinnere mich noch, wie die Anhänger der Traktoren an unserer Hofeinfahrt anhielten und die ganzen Äpfel in unseren Hof abkippten. Wir mussten sie dann zu unserer Kelterei bringen. Dort wurden sie gleich verkeltert und zum „Süßen“ (frischer unbehandelter Apfelmost) oder zum Apfelwein weiterverarbeitet. Die Kelter stand leider beim Umbau des Hotels 1989 im Wege und musste abgerissen werden. Heute allerdings dürfen bei uns alle Team-Mitglieder Ende September mit zur Apfelernte – zum Äppel-lese – in unseren Haus- Weinberg in der Gemarkung Wingerte gehen.

1985 wurde mit unserer Metzgerei die letzte Metzgerei von Hüttengesäß geschlossen, Schwerpunkt wurde nun auf Hotel und Restauration gelegt, 1989 wurde der Hoteltrakt neu errichtet, 14 Zimmer wurden komplett neu hochgezogen, ein weiterer Tagungssaal entstand.

Einmalig in Hessen der Kronenbrunnen

Der Kronenbrunnen

1993 wurde das Restaurant komplett neu eingerichtet und der historische Kronenbrunnen freigelegt.
Zufällig wurde das denkmalgeschützte Gemäuer entdeckt. Erbaut wurde dieses Schmuckstück etwa um 1600. Die Besonderheit – der Brunnen befindet sich in einem Fachwerkhaus, gewöhnlich wurden die Brunnen aber nur außerhalb, also im Hof errichtet. Ohne Zement wurden hunderte große Steine in das Mauerwerk trocken eingefügt. Man blickt 9 Meter in die Tiefe, sieht dunkel schimmernd den Grundwasserspiegel. Früher wurde aus dem Brunnen das Trinkwasser für das Lokal und für die Tiere des Bauernhofes entnommen. In einem Gemeindebericht wurden um 1830 in Hüttengesäß 36 Brunnen auf Bauernhöfen gezählt, heute sind die meisten zugeschüttet. Im Gasthaus „Zur Krone“ ist der Brunnen nur noch Dekoration, im Sommer verwenden wir ab und zu mal das Wasser für den Garten.

1995 traten wir der Kooperation Hessen à la carte bei – seitdem wird noch mehr Schwerpunkt auf regionale Küche gesetzt. Beim Gaststättenwettbewerb 1997 zeichnete Wirtschaftsminister Lothar Klemm (aD) unser Haus als einen der besten Landgasthöfe des Kreises aus.

Die Hoteleinrichtung wurde 1998 vom Hotel – und Gaststättenverband Hessen mit 3 Sternen zum Komforthotel bewertet.

In unseren Hotel ist übrigens – für alle Geschichtsfreunde und Heimatforscher zugänglich – eine Heimatbibliothek eingerichtet, wo man in über 300 alten Büchern und Schriften schmökern kann – Geschichte von Hessen, Kelten, Burgen, Städte und Dörfer des Kreises, Landwirtschaft, usw… Falls Sie mehr Geschichts-Input brauchen, wenden Sie sich an den Ronneburger Geschichts – und Heimatverein im Internet – http://people.freenet.de/GHV/Verein.htm

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